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Schlanke Hunde leben länger – das ist keine Vermutung, sondern durch eine der längsten Ernährungsstudien in der Hundeforschung belegt. Die Frage ist nicht ob Übergewicht schadet, sondern wie man es beim Barfen konkret verhindert oder behebt.

1,8 Jahre länger leben schlanke Hunde im Median laut Kealy et al. (2002) – 13,0 statt 11,2 Jahre

Was die Forschung sagt: Die Kealy-Studie

Kealy et al. (2002) veröffentlichten im Journal of the American Veterinary Medical Association eine Langzeitstudie die heute als Meilenstein der Hundeernährungsforschung gilt. 48 Labrador Retriever – aufgeteilt in Wurfgeschwister-Paare – wurden über 14 Jahre begleitet. Eine Gruppe durfte nach Belieben fressen (ad libitum), die andere bekam 25 Prozent weniger Kalorien.

Das Ergebnis war eindeutig: Die schlanke Gruppe lebte im Median 1,8 Jahre länger. Aber nicht nur das – auch der Beginn von Arthrose, Gelenkproblemen und anderen altersbedingten Erkrankungen verschob sich bei den schlanken Hunden im Schnitt um Jahre nach hinten. Weniger Gewicht bedeutete nicht nur mehr Lebenszeit, sondern auch mehr gesunde Lebenszeit.

Das ist der wissenschaftliche Kern hinter einem Satz, den Tierärzte seit Jahren wiederholen: Übergewicht ist der Gesundheitsfaktor Nummer eins beim Hund. Keine andere einzelne Maßnahme hat einen so messbaren Einfluss auf Lebenserwartung und Lebensqualität.


Ist mein Hund zu dick? Der Body Condition Score

Der Body Condition Score (BCS) ist das wichtigste Werkzeug um das Gewicht eines Hundes einzuschätzen – zuverlässiger als die Waage allein. Denn je nach Rasse und Körperbau kann das Idealgewicht stark variieren. Ein Greyhound mit sichtbaren Rippen ist normalgewichtig. Ein Mops mit sichtbaren Rippen wäre zu dünn.

Der BCS wird auf einer Skala von 1 bis 9 bewertet:

BCSBeschreibungEinordnung
1–3Rippen, Wirbel und Beckenknochen deutlich sichtbar, kein Fettgewebe tastbarUntergewicht
4–5Rippen leicht tastbar, keine deutliche Fettschicht, Taille erkennbarIdealgewicht
6–7Rippen schwer tastbar, Fettschicht über Rippen, Taille kaum erkennbarÜbergewicht
8–9Rippen nicht mehr tastbar, starke Fettpolster, kein TaillenansatzAdipositas

Die einfachste Selbstprüfung: Beide Hände flach auf den Brustkorb des Hundes legen und leicht drücken. Fühlt man die Rippen mit minimalem Druck – ähnlich wie die Knöchel der eigenen Hand – ist der Hund im guten Bereich. Fühlt man sie erst mit deutlichem Druck oder gar nicht, ist Übergewicht vorhanden.

Vom oben auf den Hund schauen sollte eine Taille erkennbar sein. Von der Seite sollte die Bauchlinie leicht aufsteigen – kein hängender Bauch.


Warum Hunde beim BARF trotzdem zunehmen können

BARF gilt als natürliche, bedarfsgerechte Ernährungsform – und trotzdem können Hunde dabei zunehmen. Die häufigsten Ursachen:

Zu hoher Fettgehalt im Muskelfleisch

Das ist die häufigste und am wenigsten offensichtliche Ursache. Rohes Fleisch variiert im Fettgehalt erheblich: Mageres Rindfleisch hat etwa 5–8 Prozent Fett, durchwachsenes Rind 15–20 Prozent, Lammfleisch kann 25 Prozent und mehr erreichen. Wer den Fettgehalt seiner Fleischsorten nicht kennt, kann die Kalorien schnell unterschätzen.

Beim BARF steuert man Energie primär über den Fettgehalt – nicht über die Menge. Das ist fachlich richtig, weil ein aktiver Hund mehr Energie braucht, nicht mehr Mineralien. Aber genau das bedeutet: Wer zu fettig füttert ohne es zu merken, verfüttert zu viele Kalorien.

Leckerlis werden nicht mitgerechnet

30 Gramm Trockenfutter als Leckerli entsprechen je nach Produkt 90–120 Gramm Frischfleisch in der Kalorienrechnung. Wer seinem Hund täglich einige Leckerlis gibt, ohne das von der Tagesration abzuziehen, füttert schnell 20–30 Prozent zu viel.

Kauartikel werden vergessen

Schweineohren, Rinderkopfhaut, Ochsenziemer – alles fettreich und kalorienhaltig. Wenn Kauartikel täglich oder mehrmals wöchentlich gegeben werden und nicht in der Tagesration berücksichtigt sind, summiert sich das über Wochen zu echtem Übergewicht.

Kastration verändert den Bedarf

Nach der Kastration sinkt der Grundumsatz bei vielen Hunden um 20–30 Prozent. Wer die Futtermenge danach nicht anpasst, füttert strukturell zu viel – egal wie ausgewogen die Ration war. Das betrifft Rüden und Hündinnen gleichermaßen.

Alter wird nicht berücksichtigt

Ältere Hunde bewegen sich weniger und haben einen niedrigeren Grundumsatz. Die gleiche Ration, die mit fünf Jahren ideal war, kann mit neun Jahren bereits zu viel sein. Viele Besitzer bemerken die schleichende Gewichtszunahme erst wenn sie schon deutlich sichtbar ist.


Hund zu dick: Was beim BARF konkret hilft

Schritt 1: Fettgehalt auf 5–8 % senken

BARF Bike empfiehlt als ersten Schritt, den Fettanteil im Muskelfleisch zu senken statt die Futtermenge zu kürzen – denn das löst ein zentrales Problem: Wer einfach weniger gibt, gibt dem Hund auch weniger Nährstoffe, und der Hund hat ständig Hunger. Wer dagegen die Energiedichte senkt – also mageres statt fettiges Fleisch wählt – bleibt bei der gleichen Futtermenge, der Hund ist satt und versorgt, bekommt aber deutlich weniger Kalorien.

Geeignete magere Sorten: Pferdefleisch, Pute, Kaninchen, mageres Rindfleisch, Hühnerbrust. Vermeiden bei Übergewicht: Lammfleisch, durchwachsenes Rind, fettige Schweineteile – diese liefern unbemerkt zu viele Kalorien.

Schritt 2: Futtermenge auf 1,5–2 % des Idealgewichts reduzieren

Berechne die tägliche Ration niemals nach dem aktuellen Übergewicht, sondern ausschließlich auf Basis des Ziel-Idealgewichts. Beim gesunden Adulthund liegt die Futtermenge üblicherweise bei 2–3 Prozent des Körpergewichts. Beim übergewichtigen Hund auf Diät reduzierst du gezielt auf 1,5–2 Prozent des Idealgewichts – damit baut der Körper Fettmasse ab statt das Übergewicht zu zementieren.

Schritt 3: Leckerlis strikt von der Tagesration abziehen

Jede Belohnung abseits des Napfes muss von der Hauptmahlzeit abgezogen werden – sonst entsteht ein unsichtbarer Kalorienüberschuss. Die einfachste Methode: Die Tagesration morgens komplett abwiegen und alle Leckerlis des Tages direkt aus diesem Topf nehmen. So bleibt die Gesamtkalorien konstant, egal wie oft der Hund zwischendurch etwas bekommt.

Schritt 4: Gemüseanteil auf 25–30 % erhöhen

Erhöhe den Anteil kalorienarmer Ballaststoffe auf 25–30 Prozent, um den Magen trotz Diät optimal zu füllen. Karotte, Zucchini, Kürbis und Sellerie eignen sich gut. Den Gemüseanteil von 20 auf 25–30 Prozent zu erhöhen und dafür den Fleischanteil leicht zu reduzieren, senkt die Energiedichte der Gesamtration spürbar – ohne dass der Hund hungern muss.

Bei extrem adipösen Hunden oder wenn der Hund trotz erhöhtem Gemüseanteil immer noch bettelt, können Futterzellulose oder Flohsamenschalen als kalorienfreie Füllstoffe ergänzt werden. Sie quellen im Magen auf, erzeugen Sättigung ohne einen einzigen Kalorienbeitrag zu liefern, und werden von den meisten Hunden gut vertragen. In der Ernährungsberatung sind sie ein etabliertes Mittel bei hochgradiger Adipositas.

Schritt 5: Gewicht regelmäßig prüfen

Beim Hund ist wöchentliches Wiegen beim Abnehmen sinnvoll – nicht täglich (zu starke Schwankungen), nicht monatlich (zu träge). Eine Abnahme von 0,5–1 Prozent des Körpergewichts pro Woche ist ein gutes Tempo. Schneller geht oft mit Muskelabbau einher.


Warum Protein beim Abnehmen erhalten bleiben muss

Ein häufiger Irrtum: Wer seinen Hund auf Diät setzt, kürzt einfach alles gleichmäßig. Das Problem dabei: Wird Protein zu stark reduziert, baut der Körper Muskelmasse ab, nicht Fettmasse. Das Gewicht sinkt zwar auf der Waage, aber der Hund wird schwächer statt schlanker – und der BCS verbessert sich kaum.

Richtig ist: Protein beibehalten, Fett reduzieren. Also mageres Fleisch statt fettigem, Futtermenge leicht senken, aber die Proteinversorgung schützen. Hochwertiges Muskelfleisch ist dabei besser als billiges Bindegewebe – es sättigt besser, baut Muskeln und erzeugt weniger Stoffwechselabfall.

In der tierärztlichen Ernährungsberatung wird bei Diäten ergänzend häufig L-Carnitin eingesetzt. L-Carnitin ist eine körpereigene Substanz, die für den Transport von Fettsäuren in die Mitochondrien zuständig ist – also dafür, dass Fett überhaupt als Energiequelle verbrannt werden kann. Eine Supplementierung kann den Fettstoffwechsel bei übergewichtigen Hunden unterstützen und gleichzeitig den Muskelerhalt fördern. L-Carnitin ist in Fleisch natürlich vorhanden (besonders in Rindfleisch), kann aber bei einer kalorienreduzierten Diät gezielt ergänzt werden – in Absprache mit dem Tierarzt.


Rassebedingte Veranlagung: Wer besonders aufpassen muss

Manche Hunderassen haben eine genetisch bedingte Neigung zu Übergewicht. Das bedeutet nicht dass Übergewicht unvermeidbar ist, aber es bedeutet dass man früher und konsequenter gegensteuern muss.

Besonders anfällig sind Labrador Retriever (genetisch nachgewiesene Mutation im POMC-Gen, die das Sättigungsgefühl beeinflusst), Golden Retriever, Beagle, Cocker Spaniel, Dackel, Mops und Basset Hound. Kastrierte Hunde jeder Rasse haben ein erhöhtes Risiko.

Bei diesen Hunden lohnt es sich, den BCS häufiger zu prüfen und die Futtermenge proaktiv anzupassen – nicht erst wenn das Gewicht bereits problematisch ist.


Was Übergewicht konkret anrichtet

Die Kealy-Studie zeigt nicht nur die kürzere Lebensdauer, sondern auch welche Erkrankungen früher einsetzen. Für übergewichtige Hunde erhöht sich das Risiko für:

  • Arthrose und Gelenkprobleme – jedes überschüssige Kilo belastet die Gelenke überproportional
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen – das Herz muss mehr Masse versorgen
  • Diabetes mellitus – Übergewicht ist der wichtigste Risikofaktor
  • Atemprobleme – besonders bei kurzköpfigen Rassen (Mops, Bulldogge)
  • Erhöhtes Narkoserisiko – relevant bei Operationen
  • Hitzeunverträglichkeit – Fettgewebe isoliert und erschwert die Wärmeabgabe

Keiner dieser Punkte ist theoretisch – sie sind die klinische Realität übergewichtiger Hunde in Tierarztpraxen.


BARF als Diät: Vorteile gegenüber Fertigfutter

Beim BARF hat man einen entscheidenden Vorteil gegenüber Fertigfutter: Man sieht und kontrolliert jeden Bestandteil der Ration. Kein versteckter Zucker, keine versteckte Stärke, keine undurchsichtigen Energieträger.

Gleichzeitig bedeutet das Verantwortung: Wer barft, muss die Fettgehalte seiner Fleischsorten kennen und die Ration aktiv steuern. Der Rechner auf dieser Seite hilft genau dabei – er berechnet die Tagesmenge nicht nur nach Gewicht, sondern berücksichtigt Aktivitätslevel und steuert die Energie gezielt über den Fettgehalt. Damit ist er näher an dem was ein Hund wirklich braucht als jede pauschale Prozent-Tabelle.


Was sich festhalten lässt

  • Schlanke Hunde leben nachweislich länger – im Median 1,8 Jahre (Kealy et al. 2002)
  • BCS statt Waage – der Body Condition Score ist der zuverlässigere Indikator
  • Häufigste BARF-Falle: zu hoher Fettgehalt im Muskelfleisch, unbemerkt
  • Leckerlis und Kauartikel müssen von der Tagesration abgezogen werden
  • Kastration und Alter senken den Grundumsatz – Futtermenge rechtzeitig anpassen
  • Protein schützen, Fett reduzieren – nicht alles gleichmäßig kürzen
  • Fütterung am Idealgewicht berechnen, nicht am Ist-Gewicht
  • Magere Fleischsorten beim Abnehmen: Pferdefleisch, Pute, Kaninchen, mageres Rind
  • Gemüseanteil erhöhen – füllt ohne Kalorien, senkt Energiedichte
  • Wöchentlich wiegen – 0,5–1 Prozent Körpergewicht pro Woche ist ein gutes Tempo

Hinweis: Dieser Artikel gibt fachliche Orientierung auf Basis wissenschaftlicher Grundlagen. Er ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Wenn ein Hund trotz angepasster Ernährung zunimmt oder nicht abnimmt, sollte eine Schilddrüsenunterfunktion oder andere metabolische Erkrankung ausgeschlossen werden.

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