Die Geschichte hinter BARF Bike · seit 2016 in Berlin

Neun Wochen alt, draußen scheint die Sonne

Es gibt diesen einen Moment, der alles verändert. Bei mir war es der Tag, an dem meine Hündin Ciara mit gerade einmal neun Wochen bei mir einzog – und meine Prioritäten komplett auf den Kopf stellte.


Der BruchVom Bürofenster auf die Hundewiese

Mein Weg führte eigentlich durch die klassische Wirtschaftswelt. Nach ersten Jahren im Vertrieb folgten ein Studium im Bereich Investment Banking, ein Master im Wirtschaftsrecht und schließlich Stationen in der Bankenwelt – zuletzt in der Compliance bei der Deutschen Bank. Ein geradliniger Karriereweg. Bis Ciara kam.

Plötzlich saß ich im Büro, draußen schien die Sonne, und ich fragte mich: Sitze ich hier wirklich noch bis 19 oder 20 Uhr am Schreibtisch, während meine kleine Maus allein zu Hause wartet? Oder baue ich mir ein Leben, in dem ich um 14 Uhr mit ihr auf der Wiese stehen kann?

Die Antwort war klar. Ich brauchte ein Geschäft, das sich mit meinem Hund verbinden lässt – eines, in das ich sie ganz integrieren kann.


Das Problem: Zwischen Abholstation und 28-Kilo-Paketen

Als ich mich ernsthaft mit Ciaras Ernährung beschäftigte, stieß ich auf BARF – die biologisch artgerechte Rohfütterung. Von der Sache war ich sofort überzeugt. Von der Umsetzung in der Praxis überhaupt nicht.

Die Läden vor Ort waren keine echten Geschäfte, sondern reine Abholstationen. Man musste mittwochs bestellen, um die Ware eine Woche später am Freitag abzuholen. Stand man spontan davor, weil das Futter alle war, hieß es nur: „Tut mir leid, hätten Sie bestellen müssen.“

Wenn ich ohnehin alles vorab planen muss, dachte ich, kann ich auch online bestellen. Doch dort wartete die nächste Hürde: Wegen der Kühlung beim Transport musste man meist gleich riesige Pakete von rund 28 Kilo abnehmen. Wer in der Stadt wohnt und keine Gefriertruhe im Keller hat, bekommt diese Mengen schlicht nicht unter.

Ich saß fest: Spontan vor Ort ging nicht, kleine Mengen online auch nicht.


Die Idee: Onlineshop-Komfort trifft Fahrrad-Flexibilität

Es musste einen Weg geben, online zu bestellen und trotzdem spontan, in kleinen Mengen beliefert zu werden. Warum nicht den Komfort eines Onlineshops nutzen – aber die Logistik selbst übernehmen?

Genau aus diesem Problem heraus habe ich 2016 BARFbike gegründet.

Der Name ist Programm: Wir liefern artgerechtes Hundefutter mit dem Lastenrad direkt vor die Haustür. Warum mit dem Rad? Weil man in Berlin tagsüber mit dem Lastenrad oft genauso schnell ist wie mit dem Auto – kein Parkplatzsuchen, kein Halten in zweiter Reihe, kein Ticket. Man fährt bis vor die Tür. Das ist günstiger, entspannter und ermöglichte uns von Tag eins an ein echtes Novum: Same-Day-Lieferung im Liefergebiet. Wer morgens bestellt, hat abends das Futter im Napf.

Und nebenbei lösen wir ein Müllproblem: BARF Bike ist von Anfang an vollständig styroporfrei. Während der klassische Kühlversand Einweg-Styroporkisten als Sondermüll durchs Land schickt, liefern wir selbst – mit einer Kühlkette ohne Müllberge.


Die Haltung: Wissenschaft, ohne daraus eine Glaubensfrage zu machen

Ehrlich gesagt dachte ich am Anfang: Ich ziehe einen Onlineshop hoch, liefere aus, fertig. Doch die Praxis holte mich schnell ein. Die Leute hatten Fragen – zu Rationen, zu Zusätzen, zur richtigen Fütterung.

Weil halbes Wissen für mich nicht in Frage kommt, habe ich den ersten Teil der bekannten Ausbildung zur Hundeernährung nach Swanie Simon absolviert und die Prüfung bestanden – Futterpläne für gesunde Hunde. Das war fundiert und interessant: metabolisches Körpergewicht, Verdauungsphysiologie, der Aufbau einer bedarfsdeckenden Ration.

Den zweiten Teil – die Fütterung kranker Hunde – habe ich bewusst nicht weitergeführt. Dort rückte das Thema stärker in Richtung Kräuterheilkunde und energetische Konzepte: „wärmendes“ und „kühlendes“ Fleisch und Ähnliches aus der Traditionellen Chinesischen Medizin. Das ist ein eigener Zugang, den viele schätzen – meiner ist es nicht. Und da ich keine Futterpläne für kranke Hunde erstellen wollte, habe ich mir dieses Wissen schlicht nicht angeeignet.

Mir ist dabei ohnehin wichtiger, was hinter dem Etikett steckt. Ein Zertifikat ist nur so viel wert wie die Inhalte dahinter – und die eigentliche fachliche Grundlage findet man in den Standardwerken, nicht im Namensschild.

Ich sehe das pragmatisch: Was nachweislich funktioniert, ist willkommen – egal aus welcher Richtung es kommt. Omega-3-Fettsäuren, Grünlippmuschel für die Gelenke – dafür gibt es gute Gründe. Aber ich glaube nicht, dass ein Bernstein-Halsband Zecken fernhält oder Löwenzahn ernste Krankheiten heilt. BARF muss man nicht zur Religion machen. Wo ich auf etwas vertraue, möchte ich nachvollziehen können, warum.

Deshalb stütze ich mich auf das, was sich überprüfen lässt. Die fachliche Grundlage liefern mir veterinärmedizinische Standardwerke – allen voran die „Ernährung des Hundes“ von Meyer/Zentek, das Referenzwerk zu Verdauung, Nährstoffbedarf und der Fütterung von Welpen, Sport- und Seniorhunden. Aus diesem Fundament leiten sich auch die Fachartikel ab, die ich für BARFbike schreibe.


Der Rechner: Warum ich einen eigenen BARF-Rechner gebaut habe

Als ich mir die BARF-Rechner im Netz ansah, fiel mir schnell auf, wie grob die meisten arbeiten: starre Pauschalprozente vom Körpergewicht – zwei bis vier Prozent, fertig. Völlig unabhängig davon, ob ein Hund den ganzen Tag auf dem Sofa liegt oder als Sporthund einen ganz anderen Energiebedarf hat.

Das war mir für Ciara zu ungenau. Ich bin kein Software-Entwickler – aber mit den heutigen technischen Möglichkeiten konnte ich endlich selbst umsetzen, was mir fachlich vorschwebte: einen Rechner, der nicht pauschal schätzt, sondern auf Basis echter, anerkannter Bedarfswerte rechnet (NRC und Meyer/Zentek) – Kalzium-Phosphor-Verhältnis, Rohprotein, die Abstimmung der Innereien-Anteile, Über- und Unterversorgung.

Ein Beispiel, das den Unterschied zeigt: Ein sportlich aktiver Hund braucht nicht pauschal „mehr Futter“. Er braucht mehr Energie – und Energie liefert beim Hund in erster Linie das Fett. Würde man einfach die Futtermenge erhöhen, bekäme der Hund nebenbei mehr Kalzium und Vitamine, die er gar nicht zusätzlich benötigt. Deshalb steuert mein Rechner die Energie gezielt über den Fettgehalt – nicht stumpf über die Menge. Genau das unterscheidet ihn von den simplen „zwei bis vier Prozent“-Tabellen. Wer mag, kann ihn hier kostenlos ausprobieren.

Die Praxis: Fundiert, gewachsen, ehrlich

Zur Theorie kommt über ein Jahrzehnt operative Erfahrung – und an den Stellen, wo es zählt, der Austausch mit Fachleuten:

  • Behörden Durch den regelmäßigen Kontakt mit den Veterinärämtern weiß ich, worauf es rechtlich und hygienisch bei der Futtermittelherstellung wirklich ankommt.
  • Produkte Bei einzelnen eigenen Entwicklungen – etwa unserem Gemüsepulver oder bei Rezeptur-Versuchen für Hundekekse – haben Tierärzte und Tierheilpraktiker mitgedacht: Zutaten bewertet, Ideen eingebracht, Grenzen aufgezeigt.
  • Herkunft Ich spreche ohne Zwischenhändler direkt mit Erzeugern und Produzenten, hinterfrage Prozesse und suche nach Wegen, die Qualität im Napf weiter zu verbessern.

Wofür BARFbike steht

BARFbike gibt es für Hundebesitzer, die keine Lust mehr haben auf umständliche Bestellsysteme, Müllberge aus Styropor und undurchsichtiges Marketing. Wir bringen Logistik, Transparenz und fachliche Substanz in den Futternapf – flexibel auf zwei Rädern, fundiert in der Sache, und ohne aus der Fütterung eine Glaubensfrage zu machen.

— gegründet 2016 in Berlin, aus Frust über das Bestehende und aus Liebe zu einem neun Wochen alten Welpen.